Wieso eigentlich keine Aufmerksamkeit geben?!

Aufmerksamkeit ist jemandem zuhören, sich mit jemandem beschäftigen, jemanden trösten; Liebe durch Zuneigung und Zärtlichkeit zeigen.

Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Zuneigung unserem Kind gegenüber offensichtlich ist, dann verlassen wir uns darauf, dass das Kind es ebenso empfindet. Doch in Wirklichkeit können Kinder sich als unwichtig im Gegensatz zum Telefon/Fernseher/zur anderen Person wahrnehmen und sie beginnen dann nach Aufmerksamkeit zu suchen.

Unterbewusst fühlen sie sich ungesehen, unterlegen, wertlos, sogar betrogen; „bin ich die Aufmerksamkeit meiner Eltern nicht wert?“ das frisst an ihnen wenn ihnen regelmäßig die ungeteilte Aufmerksamkeit verweigert wird und sie entwickeln Minderwertigkeitskomplexe, manchmal gekoppelt mit Verhaltensstörungen und -auffälligkeiten.

 

Dieser Einbruch in die gesunde Beziehung kann ganz einfach entgegengewirkt werden, indem du die Bedürfnisse deines Kindes erfüllst. Stelle sicher, dass du deiner Verantwortung als Eltern nachgehst und deinem Kind täglich deine volle Aufmerksamkeit schenkst; so, unter anderem, wird die Beziehung zwischen dir und deinem Kind stabil. Sich geliebt und wertgeschätzt zu wissen ist ein grundlegender menschliches Bedürfnis.

 

Wenn das Bedürfnis nach Zeit zu zweit (ggf. komplett um das Kind zentriert) gestillt ist, kämpft das Kind nicht um Aufmerksamkeit, stört das gemeinsame Essen oder den Besuch nicht.

Wenn du Besuch erwartest kann intensives Spielen zu zweit deinem Kind dabei helfen sich geborgen zu fühlen- und dich dabei deine Aufmerksamkeit später an den Besuch zu richten.

 

Junge Kinder nehmen nicht wahr, wann sie Gespräche unterbrechen. Dringliche Impulse schießen aus ihnen heraus und sie können selten einen Gedanken so lange festhalten, um zu hören, dass um sie herum geredet wird. Es kann als Erwachsener (natürlich aber auch für Kinder) ärgerlich sein, unterbrochen zu werden, doch darauf mit Wut zu reagieren löst Verwirrung beim Kind aus, es fühlt sich womöglich ängstlich oder es ist ebenfalls sauer, weil es „nicht zu Wort kommt“. Sie haben noch nicht die kognitive Entwicklung ihre Taten mit unseren Reaktionen zu verknüpfen.

Es ist ganz ehrlich einfacher für die Psyche aller, wenn man die Fragen des Kindes beantwortet oder ihren Geschichten zuhört, um sie dann ruhig, authentisch und respektvoll (samt aufrichtiges Lächeln) daran zu erinnern, dass man sich gerade im Gespräch mit jemandem anderen befindet.

Auf eine lange Autofahrt fragte mich eine Freundin, ob ich nicht frustriert wäre, da wir kein Gespräch führen konnten, ohne von unseren Kindern unterbrochen zu werden. Ich antwortete "natürlich!", doch Marleys Bedürfnis war in dem Moment wichtiger als meins, da er knapp vier Jahre alt ist und besonders unzufrieden war. Als Erwachsener habe ich die Kapazität seine Bedürfnisse über meine eigene zu stellen, um sein Wohlergehen zu sichern. Sie fragte „sollte er nicht lernen zu warten?“ Wie soll er das denn schaffen?! Wie kann ein Kind sowas lernen? Das ist etwas, das Zeit braucht und erst durch eigenständiges Wachstum und individuelle Wahrnehmung geschieht. Niemand kann solch ein Lernen erzwingen. Wütend und Drohend zu werden oder ein Kind zu zwingen führt bloß zur falschen Folgsamkeit, geleitet von der Angst.

 

Die Aufmerksamkeit hat einen voreingenommenen Ruf. Menschen denken sie verwöhnt die Kinder, stammend aus der Zeit, wo Kinder gesehen, aber nicht gehört werden sollten. In Zeiten, wo harte Arbeit für Eltern an der Tagesordnung unerlässlich war, wuchsen Kinder mit der Realität auf, auf sich allein gestellt und dabei tapfer sein zu müssen. (Anmerkung: Kinder sind sehr wohl in der Lage auf sich gestellt zu sein, so lange sie es aus freiem Willen heraus tun und immer die Möglichkeit haben Rückzug bei ihren Eltern zu suchen.) Wenn wir Motive hinter gewisse Erziehungstraditionen hinterfragen, finden wir dabei heraus, dass sie veraltet, überflüssig und sogar verdammt schädlich sind.

 

Kindern Aufmerksamkeit zu schenken verwöhnt sie nicht. Doch Lob anzuwenden trimmt Kinder darauf nach Aufmerksamkeit zu suchen, da sie den Beweis ihrer Fähigkeiten brauchen, die ohne unsere Bestätigung wertlos werden.

 

Aufmerksam zu sein hat rein gar nichts mit Lob gemeinsam und verleitet Kinder nicht dazu nach Aufmerksamkeit zu suchen.

 

Verwöhne dein Kind damit, auf deine Aufmerksamkeit vertrauen zu können und im Gegenzug wirst du in der friedlichen Atmosphäre Zuhause schwelgen.

 

I invite you to take your liberty and join the revolution!

 

 

fShare
0
Pin It

Drucken E-Mail