Wie viel ist zu viel Verantwortung für Kinder?

Wir unterscheiden zwischen zwei Arten der Verantwortung: Der persönlichen und der sozialen.

 

Die persönliche Verantwortung beschreibt all das, was einem selbst direkt betrifft – was wir anziehen, essen, wo wir hingehen, mit wem wir Zeit verbringen, wie wir uns fühlen und ob wir Umstände ändern, um uns besser zu fühlen usw. und die soziale Verantwortung bezieht sich darauf, wie wir mit unserem Gegenüber umgehen – wir kümmern uns umeinander und kooperieren miteinander, in dem wir die Bedürfnisse anderer respektieren.

 

Wenn Kinder in einem gesunden sozialen Umfeld aufwachsen imitieren sie das Verhalten, was ihnen vorgelebt wird und sind sich der sozialen Verantwortung bewusst – sie stillen gerne die Bedürfnisse anderer und kooperieren, um gesunde, glückliche Lebensbedingungen aufrechtzuerhalten. Kinder wachsen in ihre soziale Verantwortung herein, in dem sie ihre Mitmenschen bei alltäglichen Arbeiten helfen, die passenden Manieren in ihrem Tempo nachahmen und zusehen, dass etablierte Regeln (die sie mitbestimmt haben) aufrechterhalten werden.

 

Kinder wachsen auch in ihre persönliche Verantwortung herein, wenn es ihnen ohne ein Intervenieren ermöglicht wird. Die Autonomie Phase ist die Zeit, in der sie sich wünschen Dinge alleine zu verrichten und selber bestimmen wollen, was sie direkt betrifft. (Hier findest du meinen Artikel zu der Autonomie Phase.) Das Mainstream Paradigma lehrt uns, dass Kinder mit dieser Art der Verantwortung nicht umgehen können und, dass sie konsequentes Verhalten unsererseits benötigen und von uns Grenzen gesetzt bekommen wollen. Das könnte von der Wahrheit nicht weiter entfernt sein; Kinder sind sehr wohl dazu fähig ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen und sich dafür einzusetzen, dass sie befriedigt werden. Ihre Wünsche und Bedürfnisse zu respektieren ist etwas, dass es in der Erziehung nicht gibt; hier erteilt ein Elternteil immer Erlaubnis, wodurch das Kind seiner persönlichen Verantwortung beraubt wird. Wenn die persönliche Verantwortung extern von einem Erwachsenen kontrolliert wird, reagieren die Kinder häufig mit Trotz. Sie verleugnen ihre eigenen Bedürfnissen und Wünschen, sowie es die Eltern auch tun, und verweigern sich der kontrollierenden Autoritätsperson, einfach nur um etwas Autonomie zu spüren.

 

Kinder werden ihren Eltern schon kommunizieren, wenn Hilfe und Unterstützung vonnöten sind, um mit ihrer persönlichen Verantwortung zurecht zu kommen, und sie verlassen sich darauf, dass wir es hören. Diese Kommunikation kann alles vom Schweigen, als Antwort auf deine vielen Optionen, bis hin zum Weinen aus Überforderung sein. Die Wahl der Hose am Morgen verläuft meistens voller Freude, doch mal wird sie zur reinsten Qual. Die Ursache dafür kann alles von Müdigkeit bis hin zur Furcht vor dem Ort, wo es gleich hingeht, sein – jeder Mensch, jede Situation, jede Wahrnehmung ist einzigartig und muss auch so behandelt werden, anstatt mit „Schluss jetzt!“ zu reagieren und eine Grenze zu forcieren. Unterstützen, zuhören was der Gegenüber sagt, den Bedürfnissen nachkommen, Emotionen validieren und in Beziehung treten sind Methoden, die wir als Menschen anwenden, wenn wir mit Freunden interagieren; Kinder reagieren übrigens ebenso positiv auf Freundlichkeit.

 

Womit Kinder jedoch nicht umgehen können, ist wenn ein Erwachsener ihnen SEINE persönliche Verantwortung auferlegt und sie verantwortlich für seine Gefühle oder Handlungen macht: „Ich bin zutiefst enttäuscht von dir.“ „Du hast Mama sehr traurig gemacht!“ „Du tust mir weh!“ „Mummy liebt dich, wieso bist du so gemein?“ „Wir mussten wegen dir gehen!“ usw.

 

Wenn wir Kinder für unsere Gefühle verantwortlich machen, überfordern wir sie mit der Fähigkeit uns im Kern zu erschüttern. Eltern sollen standhafte Wesen sein, die alles tragen können, was das Kind nicht schafft - vor allem Verantwortung, sie sollen Emotionen sortieren, das Kind leiten und es so von jeglicher ungewollter Verantwortung befreien können. Das ist Elternsein, oder?

 

Uns im Kern erschüttern zu können gibt Kindern Macht über uns, die sie sich bestimmt nicht wünschen. Die emotionale Überforderung zeigt sich oft als Aggression gegenüber den Eltern oder sich selbst. In diesem Fall kommuniziert das Kind „das ist mir hier zu viel! Ich ertrage diese Macht und Verantwortung nicht! Hilfe!“

 

Einem Kind die Verantwortung für negative Situationen zu geben z.B. wenn ihr gehen müsst, weil er oder sie etwas Unerwünschtes getan hat, ist genauso schädlich. Dies sind Schuldzuweisungen, die eng im Zusammenhang mit Bestrafung stehen.

 

Verantwortung wird übernommen sobald das Kind reif und stark genug ist sie zu tragen. Solche Prozesse können nicht anerzogen oder erzwungen werden; es muss ein sicheres Fundament bestehen, damit sich diese ganz natürlichen Prozesse vollziehen können. Es wurde immer und immer wieder in Studien und Forschungsarbeiten belegt, dass sichere Bindungen, Lebensumstände in denen die Bedürfnisse der Kinder geachtet werden und der Wille zur Kooperation besteht das Fundament einer gesunden Entwicklung bilden. Diese Dinge ermöglichen es dem Kind ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln und seinem Platz in einer Gemeinschaft zu finden und einzunehmen, in der alle ihre persönliche Verantwortung selbst tragen.

 



 

I invite you to take your liberty and join the revolution!

 



 

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