Der Schaden des Gehorsams

Die moderne Erziehung ist tatsächlich alles andere als modern. Sie stammt aus einer langen Tradition des Aufzwingens von Gehorsam, der am besten direkt nach der Geburt beginnt. Wir sind in einem Teufelskreis gefangen, da wir alle unter seinen Auswirkungen leiden.

Unsere eigene Erziehung zwingt uns dazu unsere Kinder als Gegner wahrzunehmen; Babys versuchen uns zu manipulieren, denken wir. Sie müssen dazu erzogen werden sich zu benehmen und tun, was man von ihnen verlangt. Sie müssen uns gehorchen, am besten ohne unsere Autorität in Frage zu stellen: „Wieso?!“ „Weil ich es sage!“

Gehorsam ist der Übeltäter und Verursacher des verdrängten und gebrochenen Willens. Die Bedeutung vom gebrochenen Willen ist es, sich den Willen eines anderen einzuverleiben, und dadurch unsere Identität zu verlieren. Das Selbst wird verleugnet, verlassen und unterdrückt, um den Aggressor zufriedenzustellen. Dies geschieht in der frühen Kindheit; eine Zeit in der Menschen nicht fähig dazu sind, für ihre Rechte zu kämpfen, eine Zeit in der Menschen glauben der Mittelpunkt der Welt zu sein, der Auslöser für alles, was um ihn herum passiert; eine Zeit in der Kinder von ihren Eltern abhängig sind und ihnen gefallen wollen.

 

Bald konzentrieren sich Kinder lediglich auf das, was von ihnen erwartet wird, was sich gehört, welches Verhalten Akzeptanz statt Trennung und Schmerz verspricht, und idealisieren den Unterdrücker, den Aggressor. Diese Menschen entwickeln eine Furcht vor Autoritäten, die fälschlicher Weise als Respekt wahrgenommen wird. Sie sind blind in ihrem Gehorchen. Die Angst davor, jemanden zu enttäuschen oder zu verlieren unterdrückt die menschliche Fähigkeit sich zu entfalten, zu leben und sich zu verbinden. Das Leben wird zu einem Kampf ums Überleben, und um die Eltern-Kind-Bindung aufrechtzuerhalten, verinnerlichen Kinder die Erwartungen der Eltern. Das ist der Grund weshalb Menschen sich mit dem Aggressor identifizieren: es ist besser ihre Glaubenssätze anzunehmen als einsam um den eigenen Willen und die eigene Identität zu kämpfen (und wir erinnern uns, die Isolation kann und wird einem Menschen in den Wahnsinn treiben). Menschen begeben sich freiwillig in die Knechtschaft.

 

Aber was geschieht, wenn ein Mensch sein Selbst so weit unterdrückt und es mit einem Fremdkörper ersetzt? Das wahre Selbst und der Wille werden als fremd, beängstigend und überwältigend erlebt und müssen noch weiter unterdrückt werden, denn sich gegen den Aggressor zu stellen führt zu starken Schuldgefühlen. Psychologen beschreiben pathologische Veränderungen im Menschen, die auf den blinden Gehorsam zurückzuführen sind. Wenn Menschen Aspekte ihrer Psyche unterdrücken, so lösen sie sich von einem Teil ihrer Selbst.

 

Gehorsam hat die Kindheit der meisten geformt, und hat uns dazu konditioniert uns auf einer bestimmten Art und Weise zu benehmen. Glaubenssätze sind in uns gefestigt, die wir nicht für richtig oder gut erachten, und Reaktionen werden von unseren Kindern getriggert, die wir sicherlich nicht begrüßen. Sie sind nicht Teil unseres wahren Selbst, doch sie sind fest verankert und werden dort bleiben, wenn wir nicht mal ausführlich ausmisten.

 

Leider werden die eingeimpften Glaubensätze häufig leidenschaftlich vertreten. Menschen verteidigen sie und sehen es nicht gern, wenn sie (oder die Aggressoren) bedroht werden. Das ist das Ausmaß des Schaden – Menschen kämpfen vehement für Dinge, die nicht mit ihren wahren Überzeugungen korrelieren. So ist es möglich, das Diktatoren die Loyalität ihrer Anhänger sicherstellen, und auch, dass Soldaten widrige Befehle ausführen, oder dass KZ-Arbeiter nicht mit den Wimpern zuckten.

 

Gehorsam bereitet den Weg für unsere Kinder, sich zu Erwachsenen zu entwickeln, die entweder Macht über andere auszuüben versuchen oder sich jemanden suchen, der für und über sie bestimmt und sich in die freiwillige Knechtschaft begeben.

 

Wie kann ein Mensch moralisch und ethisch sein, während er gehorsam ist? Wie kann ein Mensch authentisch sein, wenn die eigene Identität fremd ist? Wie kann man überhaupt ein ganzer, zufriedener Mensch sein, der in sich ruht, der die Liebe erkennt und spürt?

 



 

I invite you to take your liberty and join the revolution!

 



 

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