Spielen, Spielsachen und Der Sinn des Ganzen

Zu dieser Jahreszeit denken wir wohl alle daran, welche Spielzeuge wir unseren Kindern zu Weihnachten schenken können. Was mögen sie wohl? Womit spielen sie gerne? Und manch einer denkt an die Nachhaltigkeit und wie das Spielzeug bei der Herstellung und der Verschiffung die Umwelt beeinflusste und wie es später entsorgt werden kann.

Die meisten Spielzeuge werden nicht dazu gemacht langlebig zu sein; es ist kein Geheimnis, wie die Industrien funktionieren und wie wir zum Konsumieren verleitet werden. Grelle, laute Spielzeuge, die einfach nur als Beschäftigung dienen, anstatt das Spiel, und somit das Lernen des Kindes zu unterstützen.

Kinder wollen Spielzeug, das ihre Lernwünsche befriedigt. Was ist Spielen? Es ist Lernen, Untersuchen, Experimentieren und Nachahmen. Selbst die Autos meines vierjährigen dienen der Nachahmung; sie nehmen Charakter und Missionen an, kreieren geometrische Muster, wenn er sie auf besonderer Art einparkt, und sie bieten ihm ein Einblick in die Welt der Physik.

Die meisten hergestellten Spielzeuge schränken das Spiel ein; sie lassen wenig Platz für Fantasie, sind meistens nicht mit anderen Spielsachen kompatibel und haben eine limitierte Funktion. Diese Sachen werden links und rechts liegengelassen und müllen die Wohnung zu.

 

Es ist verblüffend, wie Kinder Rasenmäher aus Plastik bekommen, die Seifenblasen machen, anstatt das echte Ding in klein. Als ich klein war und mir ein Mikroskop und eine Töpferscheibe wünschte bekam ich diese als Spielzeug. Sie funktionierten nicht richtig und ich lernte (um die Wahrheit zu sagen) bis heute wenig über diese Themen. Ich war sehr sehr enttäuscht und kam mir, um ehrlich zu sein, verarscht vor.

 

Mein Sohn bekam zum dritten Geburtstag ein großes Puppenhaus, womit er nie spielte. Er wollte lieber selber Puppenhäuser aus Bauklötzen und Kisten bauen, und änderte die Räume so wie es ihm gefiel. Dieses Jahr wünscht er sich eine Kasse, um Laden zu spielen. Ok. Dieses Geschenk wird ihn bei der Nachahmung unterstützen und auch sein aktuelles Interesse an Geld und Zahlen fördern, da sie an etwas greifbares geknüpft wird, das in der Realität verankert ist.

 

Wenn wir einmal darüber nachdenken welche Spielzeuge das Spiel unterstützt und welche überflüssig sind, so fliegt uns die Vernunft förmlich zu. Bei uns ist weniger mehr – ich erkenne die Fantasie von meinem Sohn, wie er ein Stock in ein Schwert, ein Zaun, eine Puppe oder ein Bastelprojekt verwandeln kann. Steine werden zum Piratenschatz, Äpfel oder Geld; eine Reihe von Stühlen zu Autos oder Zügen, ein umgedrehter Tisch zum Schiff.

 

Wir haben Spielsachen, die Raum für Fantasie lassen und das Spiel ermöglichen: Seidentücher, Filzschnüre, Bauklötze in allen Formen und Größen, Legos, ein paar Biegepuppen, eine Elektrische- und eine Holzeisenbahn, plus alles, was von draußen mitgenommen wurde. Wir spielen auch viele Karten- und Gesellschaftsspiele, so, wie die Kinder es sich wünschen.

 

Mein vierjähriger liebt Autos über alles, also hat er Autos, die wie echte Sportwagen aussehen. Er lernt wie sie im echten Leben heißen, wie schnell sie fahren und ihre Marken.

 

Als mein älterer Sohn vier war wollte er gerne Schachspielen lernen. Anstatt eine ‚kindgerechte‘ Version zu kaufen, brachten wir es ihm bei. Wir nahmen sein Spiel ernst – er wollte Strategien und das Vorausschauend-Denken erlernen, und er hatte Erwachsene beim Spielen beobachtet und wollte am Spaß teilhaben.

 

Wenn wir die Interessen unserer Kinder ernst nehmen und ihr Spiel unterstützen, dann lernen sie wofür sie bereit sind in ihrem Tempo, autonom. Wenn wir schlechte Imitate mit limitierter Funktion anbieten, so werden Kinder schnell gelangweilt und können ihr Interesse nicht ausbilden.

 

Es besteht keinen Grund, wieso ein dreijähriges Kind nicht das echte Gemüse mit einem echten Messer schneiden sollte und lernen kann, wie wir mit Messern umgehen und uns nicht verletzen. Wie merkwürdig dieses Interesse mit Plastikspielzeug in Form von Küchenutensilien zu fördern während wir in der Küche alleine das Essen zubereiten. Kinder lieben das Schnitzen – mein älterer Sohn hat manch ein Tag damit verbracht sein eigenes Spielzeug aus gefundenen Holzstücken anzufertigen. Kinder sind sehr kompetent und profitieren davon ernst genommen zu werden, anstatt Plastikmesser zu bekommen und die Gelegenheit nicht zu haben, herauszufinden wie das Messer Korrekt gehalten wird. Aufgrund des Glaubens, Kinder seien inkompetent, hindern wir sie in ihre Entwicklung und in ihrem Lernen.

 

Lernen kann nicht erzwungen werden. Das Kind wird schleifen binden, wenn es im Leben gefragt wird, entweder weil ein Tuch für eine Butze festgeknotet werden muss oder weil es selber die Schuhe zubinden möchte, nicht weil ein Stück Holz mit einem bunten Schuh drauf abgebildet und hindurch gefädelten Schnürsenkeln irgendwo herumliegt.

 

Das kindliche Spiel sollte nicht von Industrien oder Erwachsenem Denken diktiert werden. Das erwachsene Gehirn hat einfach nicht die Kapazitäten, wie das eines Kindes – sie wissen was sie für ihre Entwicklung wollen und brauchen und sind glücklicher, wenn wir, mit unserem starren verkopften Denken, sie machen lassen.

 

Sie bevorzugen die wildesten Ecken der Spielplätze anstatt die bunten Klettergerüste, die ein Erwachsener als ‚fördernd‘ einstufte; wenn sie die Gelegenheit haben, erfinden sie bessere Spiele, mit komplexeren Regeln und Strategien, als manch ein Erwachsener; wenn wir nicht direkt einen Namen auf das Projekt des Kindes kleben, würden wir zu hören bekommen, dass es ein ‚Hyperschall-Raumschiff‘ ist (und eine lange Geschichte dazu), wo wir ja nur dachten der Sandhaufen wäre vielleicht nur ein Sand-Kuchen gewesen.

 

Meine Kinder haben das, was sie sich wünschen und bekommen auch zu Weihnachten was auf ihren Listen steht, egal wie ich dazu stehe. Ihre Interessen werden respektiert und gefördert und ich weiß es gibt einen guten Grund, wieso sie gerade diese Dinge aussuchen. Wenn sie das Interesse dran verlieren (und ich konnte es bis jetzt ganz gut vorhersehen) gibt es ja den Flohmarkt oder das Internet. Ja, darum bin ich froh.

 



 

I invite you to take your liberty and join the revolution!

 



 

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