Mangeldenken und Selbstregulierung

Wir haben den Hang dazu, Mangel zu fördern, wo keiner besteht. Es scheint als hätten unsere Großeltern den Glauben in uns verankert, wir sollten nichts für selbstverständlich nehmen, und dass es irgendwie falsch und unmoralisch sei, in Fülle zu leben. So kreieren wir Welten, die eine künstliche Verknappung aufrechterhalten. Die Mainstream Erziehung kreiert Knappheit, getrieben von unbegründeten Ängsten, um Kinder dazu zu motivieren, sich zu benehmen.

Dinge, die spärlich eingeteilt werden sind besonders, bringen uns dazu, sie zu begehren, und motivieren uns auch noch Erster sein zu wollen. Mangeldenken behält uns in Konkurrenz. Es kann nur einer im Wettkampf Erster werden (und versuch mal Spiele zu finden, die nicht auf Konkurrenz beruhen, oder Menschen, die nicht konkurrenz-getrieben sind).

Wenn Kinder nicht die Möglichkeit haben, im ehrlichen, wahren Umgebungen sich selbst zu regulieren, sondern sich an den falschen, künstlichen Mangel gewöhnt haben, so haben sie Schwierigkeiten eine gesunde Balance z.B. beim Süßigkeiten- oder Medienkonsum zu finden.

Diese Dinge, neben anderen, werden oftmals in der Verhaltensmodifikation angewendet, um Kinder dazu zu bekommen, sich auf eine bestimmte Art zu benehmen: Sei brav, dann darfst du Schokolade haben; Warst du brav? Dann darfst du fernsehen; Benimm dich, dann können wir zum Spielplatz etc.

Das Wahnsinnige daran ist, dass es funktioniert. Du kannst dein Kind nach diesen Methoden zum Gehorsam erziehen, doch der Schaden ist nicht zu verantworten, klicke hier für mehr.

Es ist aber nicht immer Verhaltensmodifikation, die uns dazu verleitet unsere Kinder zu regulieren. Die Angst ist für gewöhnlich der Übeltäter. Wir fürchten die Konsequenzen von zu viel Zucker, zu viel Fernsehen, das Spät zu Bett gehen, wenn das Kind am nächsten Tag früh raus muss oder den ausgefallenen Mittagsschlaf, das zum schlechtgelaunten Kleinkind führen kann.

 

Wir haben einen Schatz an Wissen und Erfahrung, würden bloß unsere Kinder davon Gebrauch machen…doch sie zu regulieren und begrenzen wird sie nicht dazu bringen, auf unseren Rat zu hören.

 

Ich war Zeugin davon, wie fremdregulierte Kinder komische Dinge taten. Kinder, dessen Eltern Angst vor Gluten hatten nahmen händevoll trockene Nudeln und versuchten sich diese in den Mund zu stopfen, während die Mutter in Verzweiflung „ja, ok, aber nur zwei!!!“ sagte. Andere Kinder stopften Veggie-Wurst nach Veggie-Wurst in den Mund, da diese reguliert wurden, und wieder andere wollten nur noch weiße Brötchen, da sie sie nicht oft durften. Ja, und dabei werden nicht die Kinder vergessen, die Süßigkeiten aßen, bis sie sich übergeben mussten, weil sie nicht wussten, wann sie wieder Gelegenheit dazu haben, sie zu genießen.

 

Was zeigt uns das? Ich denke diese künstliche Verknappung fördert das Binge-Eating und das übergehen persönlicher Grenzen und Komfortzonen.

 

Haben Kinder die Gelegenheit ihrer Vernunft und ihre Intuition zu vertrauen, so würden sie im Traum nicht daran denken, trockene Nudeln zu essen, oder Süßigkeiten zu konsumieren, bis ihnen schlecht wird, oder auf zu bleiben, bis ihnen der Körper schmerzt und sie nicht klar denken können.

 

Menschen haben das Recht darauf sich selber kennenzulernen; ihre Körper, ihre Grenzen und ihre Fähigkeiten.

 

Unsere Rolle als Eltern ist es, unsere Fülle an Lebenserfahrung anzubieten, unsere Kinder zu unterstützen und zu begleiten auf einer nährenden, positiven Art und Weise, anstatt eine künstliche Verknappung und Abhängigkeit herzustellen: denn der, der seine eigene Verantwortung nicht trägt (wenn er bereit und gewillt dazu ist) hat automatsch einen anderen, der sie für ihn trägt. So fügen sich Menschen in die Opferrolle hinein, doch das ist eine andere Geschichte.

 

Wenn Menschen zum friedlichen Paradigma wechseln, tendieren sie dazu die adäquate Begleitung der Kinder zu vernachlässigen, oder sich auf die Zunge zu beißen beim Zusehen, wie die Kinder etwas, das sie für schädlich erachten, tun, damit sie dem Willen des Kindes nicht in die Quere kommen (das merkt das Kind selbstverständlich; es führt zum inneren Konflikt und ein Gefühl, dass es falsch, böse oder selbstverletzend ist).

 

Im friedlichen Paradigma denunzieren wir Gehorsam, den Missbrauch von Autorität und das Manipulieren und Kontrollieren unsere Kinder, doch das heißt nicht, dass sie ohne ein Wort von uns alles für sich bestimmen sollen. Sie können selbstbestimmen, müssen es aber nicht alleine. Und, wenn wir in Partnerschaft mit unseren Kindern leben, so vertrauen sie auf unsere Begleitung und bejubeln unsere Unterstützung.

 

Nachdem ich einige Zeit so lebe, habe ich viele Ängste überwunden, z.B. die Schokolade, die vor dem Mittagessen von meinen Söhnen gegessen wird, vertreibt nicht ihren Appetit; sie essen relativ normal und essen später auf. Und meistens warten sie bis wir gemeinsam Süßes nach dem Essen verzehren. Länger am Tablet zu spielen hat mich früher wahnsinnig vor Sorge gemacht; jetzt verbringe ich die Zeit damit, etwas zu machen, was ansteht, und meine Söhne kommen, wenn sie bereit sind. Oder ich habe einen Termin oder möchte unbedingt raus gehen, dann finden wir einen Kompromiss. Es braucht Zeit neue Gewohnheiten zu etablieren, doch daraus resultiert eine friedliche Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert, anstatt eine traditionelle, die auf Angst und externer Regulierung fundiert.

 

Wie können wir unsere Kinder dabei helfen, eine gesunde Balance zu finden, und dabei ihren Willen unterstützen?

 

Wir müssen…

 

  1. …den Menschen, der vor uns steht respektieren.

  2. …in Beziehung treten, anstatt zu begrenzen und unsere natürliche Autorität in gegnerischer Haltung zu missbrauchen.

  3. …das zugrunde liegende Bedürfnis ausfindig machen; vielleicht stellen Süßigkeiten oder TV eine Strategie da, um ein Bedürfnis zu befriedigen und du kannst etwas anderes dafür anbieten?

  4. …uns fragen, was ist das schlimmste was passieren kann; ist es wirklich so schlimm?

  5. …Rat geben, den unsere Kinder (wenn sie die Wahl haben) schätzen.

  6. …hören, was unsere Kinder sagen.

  7. …Argumente benennen, die unserem Rat zugrunde liegen (und sichergehen, dass es Fakten sind und keine Panikmache).

  8. …Kompromisse eingehen und einen gemeinsamen Nenner zusammen mit unseren Kindern finden.

  9. …unsere Kleinkinder nicht mit Worten und Diskussionen überfordern, sondern aktiv werden und Angebote/Alternativen/Unterstützung beim Spiegeln ihrer Emotionen anbieten.

 



 

I invite you to take your liberty and join the revolution!

 



 

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