„Aus mir ist doch auch was geworden“ … Wie Du mit Abwehrhaltung umgehen kannst

Wenn Menschen von Unerzogen erfahren merken sie häufig so etwas an wie, „ich wurde bestraft und aus mir ist doch auch was geworden“ oder „Mal einen Klapps aufm Po hat mir nicht geschadet“.

Kinder zu schlagen entzieht das Gefühl von Selbstwert und Selbstliebe, und flößt eine Angst vor Autorität, vor dem Leben und vor Menschen ein (auch vor Vertrauten). Körperliche Gewalt lässt die emotionale Entwicklung verkümmern und ruft Gehorsam hervor. Psychologische Gewalt verursacht dieselbe Angst, wie die körperliche Gewalt und ruft grundsätzlich das gleiche Ergebnis hervor.

 Wenn Menschen so etwas behaupten, dann befinden sie sich offensichtlich in eine Abwehrhaltung gegenüber der Art, wie wir mit unseren Kindern leben. Sie verspüren den Drang, ihre Eltern, ihre Erziehung und die Normen unserer Gesellschaft zu verteidigen.

Durch die Behauptung, ihnen hätte die Erziehung nicht geschadet, setzen sie ein Maßstab für psychische Gesundheit voraus, der wahrhaftig fragwürdig ist. Eine Kindheit in Unterdrückung, Misstrauen, Tücke und unter Kontrolle erlebt, hinterlässt zweifellos Narben und formt eine Gesellschaft, die unbestreitbar misstrauisch und konkurrenzbetont ist, die von einem Mangel an Selbstwert und Selbstliebe zeugt, und Schwierigkeiten mit Selbstregulation erleidet.

Der Gnade des Erwachsenen zu unterliegen ruft Gehorsam hervor. Gehorsam geht tiefer, als nur zu tun, was einem gesagt wird; der Wille wird durch den eines anderen ersetzt, was zur Identitätsverlust und der Aufgabe des wahren Selbst führt. Schau hier für mehr zum Thema Gehorsam.

Jeder Mensch reagiert anders auf die gleichen Umstände; das heiß, der Mensch, der behauptet ihm hätte die Erziehung nicht geschadet,

a) Extrem ausgeglichen ist

b) Authentische Eltern genießen durfte, die neben ihrer Erziehung für viel Autonomie gesorgt haben

c) Vielleicht einfach das Glück hatte, in nicht allzu schlechter Form im Erwachsenenalter einzutreffen

Oder (am wahrscheinlichsten) d) vergessen hat, wie er sich als Kind gefühlt hat; Verdrängung und das Unterdrücken der Kindheitserinnerungen sind nicht weit hergeholt und sind die Lieblinge unter den Bewältigungsstrategien unserer Gesellschaft.

 

Und diese „mir geht’s doch auch gut“ oder „so schlimm kann es doch nicht sein“ oder sogar „ich hab‘s auch überlebt“ Haltung entstammt einer sinnwidrigen Philosophie, die unseren geliebten Kindern vom Leibe ferngehalten werden sollte, anstatt, dass sie weiterhin so einen starken Einfluss auf sie hat! Wenn etwas „auch gut“, „nicht so schlimm“, „möglich zu überleben“ ist, dann kann es ja wohl nicht erstrebenswert sein.

Menschen werden stark von ihre Konditionierung und Sozialisation geprägt, und alles, was dagegen anstößt wird vorerst als verrückt und falsch wahrgenommen. Das bedeutet wir stehen für unsere Konditionierung ein, wir verteidigen und befürworten sie, selbst wenn wir uns für diese gewissen Dinge nicht entscheiden würden oder uns auf gewisser Art und Weise verhalten würden, würden wir zweimal überlegen und sie reflektieren. Es ergibt ein Bild eines Menschen, der sich die Ohren zu hält und kurzsichtigen, unauthentischen, angstbesetzten Blödsinn proklamiert, der keineswegs auf Fakten basiert.

Manche Menschen machen sich lustig über Sätze, wie „manche Kinder haben eine Tracht Prügel verdient“ „zeig dem Kind wer Chef ist“ „es ist zu ihrem Besten“ „Liebe kann wehtun“, und sagen sie mit einem Lächeln, da sie nicht an die eigentliche Bedeutung oder Auswirkung denken. Solche Sätze sind kulturell akzeptiert – sie fallen in Familiensendungen, Kindersendungen und in allen Sendungen, in denen Kinder erwähnt werden. Der zugeteilte Platz des Kindes, als Objekt, wurde immer noch nicht von unserer Gesellschaft hinterfragt, und deshalb geht die Empörung, die wir empfinden, am Großteil der anderen vorbei. (Anmerkung: für wie absurd Frauenrechte noch bis vor ein paar Jahrzehnte gehalten wurden.)

Wenn wir also mit solchen Behauptungen zu tun haben, müssen wir ihnen mit Verständnis begegnen und die Art, wie wir mit unseren Kindern leben für den Menschen, die uns umgeben übersetzen. Wir müssen das Verhalten steuernde Bedürfnis  ausfindig machen, die Gefühle, die der Mensch uns zeigt anerkennen und akzeptieren und eine konstruktive, kooperative Lösung in unserer Beziehung (egal wie flüchtig sie auch sein mag) finden. Wir müssen Gewaltfreie Kommunikation anwenden, damit der Mensch nicht weiter in die Defensive gerät und sich uns und einem gemeinsamen Nenner öffnet.

Ja, es ist schwer. Es kann uns innerlich zum Kochen oder heulen bringen, Menschen über Kinder so reden zu hören, als wären sie Objekte, die unser zu manipulieren sind, und ihre kurzsichtigen Behauptungen wie „mir hat’s doch auch nicht geschadet“ zuzuhören. ABER wenn wir bewusst NICHT in die Opposition gehen, sondern uns annähern, anfreunden und beim Zuhören Verständnis suchen und die Emotionen und Motivation reflektieren, so akzeptieren Menschen häufig diese einladende Geste und reagieren automatisch mit Offenheit für das, was wir erzählen oder was wir vorleben.

Ich denke es ist jedem ein Wunsch, die ungerechten, boshaften Bedingungen, in der viele Kinder aufwachsen müssen, zu verringern und zu vernichten, und um das zu schaffen müssen wir Unerzogen (warum erziehen wir überhaupt noch gibt’s hier) für alle zugänglich machen und uns nicht in unsere eigenen defensiven Seifenblasen zurückziehen und die Erzieher als Feinde ansehen.

Viele Menschen können es nicht aushalten, zu hören sie wurden als Kind psychisch verletzt oder würden nun ihre Kinder mit Mainstream Erziehungsmethoden benachteiligen. Natürlich reagieren Menschen mit Abwehrhaltungen. Wir müssen vor Augen halten, dass diese Menschen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen so gut sie konnten anwendeten; es ist sehr rar, dass jemand willentlich ein Kind verletzt.

 

„Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht. Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.“ – Martin Luther King.

 

I invite you to take your liberty and join the revolution!

 

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